Toolbox Teilhabe stärken

Für eine Kita, in der sich alle willkommen und gehört fühlen sollen, ist die Partizipation das A und O und zieht sich durch alle Bereiche und Altersgruppen: Sowohl Kinder als auch Eltern und Fachkräfte können teilhaben und den Einrichtungsalltag selbstbestimmt und aktiv mitgestalten. Um Beteiligung und Mitwirkung in der Kita bewusst zu leben und zu fördern, kommen Leitung und Fachkräfte nicht umhin, mögliche Vorbehalte oder Gewohnheiten abzulegen und Neues auszuprobieren – denn Partizipation ist eine Frage der Haltung.

Es geht darum, Kindern deutlich mehr zuzutrauen, als sich nur ein Lied im Morgenkreis zu wünschen oder die Essensbeilage auszuwählen. Es geht um die Erkenntnis, dass schon die Jüngsten wissen, was sie brauchen und was den Kita-Tag besser machen könnte. Und es geht darum, die Eltern niedrigschwellig über wichtige Abläufe zu informieren, vertrauensvolle Erziehungspartnerschaften aufzubauen und deren Engagement jeglicher Art zu fördern und wertzuschätzen. Nicht zuletzt bedeutet Partizipation auch, dass die Leitung alle Fachkräfte mit ins Boot holt, Entscheidungen im Team trifft, Kolleg:innen die Möglichkeit gibt, Wünsche und Kritik zu äußern und ihnen auch stärkeorientiert wichtige Aufgaben überträgt.

Für all das brauchen Leitungskräfte Geduld, Offenheit und Mut. Denn so unterschiedlich Beteiligung in der Kita aussehen kann, so müssen neue Prinzipien und Prozesse zunächst verinnerlicht werden. Doch wer sich erst einmal auf diesen Weg macht, erkennt früh, dass Partizipation nicht nur für Kinder, Eltern und Fachkräfte eine bereichernde Erfahrung ist, sondern auch zur Weiterentwicklung der Einrichtung beiträgt.

Partizipation von Kindern

Beteiligung und Selbstbestimmung im Kita-Alltag

Viele Kitas schreiben sich auf die Fahnen, dass die Kinder und deren Bedürfnisse im Mittelpunkt stehen. Doch dies bedeutet genaugenommen auch, dass Erwachsene dort nicht alleine, sondern gemeinsam mit den Kindern entscheiden, was das Beste für diese ist. Wie weit Entscheidungsfreiheit gehen kann, hängt von der jeweiligen Situation ab: Sie beginnt im Kleinen, beispielsweise wenn etwas (wie im Winter eine Jacke anzuziehen) nicht diskutabel ist. Geben die Fachkräfte Kindern dennoch einen gewissen Entscheidungsrahmen vor („welche der beiden Jacken möchtest du?“), fühlt sich das Kind respektiert. Partizipation lässt sich aber auch in einem deutlich größeren Umfang umsetzen: Etwa, indem der Nachwuchs auch bei der Planung und Gestaltung des Kita-Alltags, der Themen oder der Räumlichkeiten aktiv eingebunden wird.

Neben den in Kitas gern praktizierten Kinderkonferenzen oder speziellen Demokratieprojekten bietet der Alltag ausreichend Gelegenheiten, wichtige Entscheidungen mit den Kindern gemeinsam zu treffen – ob zur Gestaltung der Essenssituation, des Tagesablaufs oder bestimmter Rituale. Spielerische und leicht verständliche Methoden geben schon den Jüngsten die Möglichkeit, sich frei zu äußern und mitzuentscheiden. Kinder, die sich an demokratischen Entscheidungsprozessen in der Kita beteiligen können, erfahren schon früh, dass ihre Bedürfnisse ernst genommen werden, dass ihre Stimme zählt und dass sie selbst etwas bewirken können. In diesem Zusammenhang macht es auch Sinn, die UN-Kinderrechte in Projekten oder auf Wandplakaten zu thematisieren und dem Nachwuchs altersgerecht zu erklären, was diese beinhalten.

Beteiligung und Selbstwirksamkeit erleben die Kinder nicht nur in der Gemeinschaft, sondern auch in vielen Alltagssituationen – vorausgesetzt, sie können sich weitgehend frei in der Kita bewegen und überwiegend selbst entscheiden, mit wem und was sie spielen. Dies gilt schon für die Jüngsten: So können die Fachkräfte auch Krippenkinder über das, was diese bereits selbst können, selbst bestimmen lassen. Zwar wird Beteiligung hier etwas „kleiner gedacht“, doch Selbstwirksamkeit und Stolz erleben die Kinder auch, wenn sie sich schon selbst an- und ausziehen, ohne Hilfe auf den Wickeltisch oder ins Bett klettern, alleine Dinge holen und wegbringen oder beim Zubereiten der Mahlzeiten mitmachen können.

Methodensammlung: Kita-Kinder beteiligen

Folgende Methodensammlung zum Thema Partizipation macht deutlich, dass es für die Beteiligung von Kindern nicht immer vermeintlich komplizierter Methoden, wie z. B. dem Kinderparlament, bedarf. Vielmehr kann Beteiligung niedrigschwellig im Alltag und auf Augenhöhe mit den Kindern stattfinden.

Methode:

Zukunftswerkstatt

Ziel:

Die Methode soll die Fantasie anregen und Ideen entstehen lassen. Entwickelt vom Zukunftsforscher Robert Jungk, besteht sie klassisch aus drei Phasen: der Kritikphase, der Fantasiephase und der Umsetzungsphase. Daran angelehnt ist die Ideenwerkstatt für Kinder. Hier werden Bedarfe und Wünsche der Kinder zu bestimmten Themen abgefragt. Die Methode kann sowohl als allgemeine Bestandsaufnahme verwendet werden als auch für spezifische Fragestellungen wie z.B. Gestaltung der Räumlichkeiten.

Geeignet für:

3 bis 15 Kinder in einer Gruppe, mehrere Gruppen sind möglich

Material und Hilfsmittel:

Stifte und Moderationskarten, Pinnwand, Flipchartpapier, farbige Klebepunkte zur Abstimmung, “Meckermonster” und “Wunschfee”
(z. B. Stoffpuppen), Bild zur Illustrierung der Phasen

Vorbereitung:

Sitzkreis aus Stühlen oder Kissen aufbauen, Materialien bereitstellen

Zeit:

mindestens 90 Minuten

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Methode:

Sprechstunde für Kinder

Material:

eine „ruhige“ Ecke/Raum, ein Hinweisschild

Zeit:

Feste Zeiten vereinbaren (z. B. jeden Tag 15 Minuten nach dem Frühstück)

Ziel:

Erlernen von Mitsprache- und Beteiligungsformen

Durchführung:

Die Kinder haben die Möglichkeit, zu einem nachvollziehbaren Zeitpunkt Fragen, Probleme und Wünsche bei Fachkräften oder der Leitung loszuwerden. Ort und Zeitpunkt werden durch ein entsprechendes Hinweisschild kenntlich gemacht. So könnte beispielsweise einmal in der Woche ein leuchtendes Ausrufezeichen am Zimmer der Kita-Leitung prangen und signalisieren: „Kind, ich bin für dich da, tritt ein!“

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Methode:

Daumen hoch – Daumen runter!

Material:

Gong

Zeit:

5-10 Minuten

Ziel:

Kinder erlernen Formen der Beteiligung

Durchführung:

Die Kinder sitzen in einer lockeren Runde zusammen und werden von einer Fachkraft aufgefordert, sich zu bestimmten Äußerungen zu positionieren. Beispielsweise zu der Frage: „Mädchen spielen nur mit Puppen“ oder „Herbstwetter macht Spaß“. Möglich wäre auch eine Fragestellung die Kindergruppe betreffend: „Wollen wir die Blumenbeete neu bepflanzen?“ Die Kinder haben ca. eine Minute Bedenkzeit, dann ertönt ein Gong und die Kinder müssen sich entschieden haben, ob sie ihren Daumen nach oben (für Zustimmung) oder ihren Daumen nach unten (für Ablehnung) zeigen. Dieses Abstimmungsverfahren ist einfach und macht den Kindern meistens viel Spaß.

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Methode:

Triff die Wahl!

Material:

visualisierte Vorschläge (auf Bilder gemalt, Fotos, symbolhafte Gegenstände), Abstimmungsgegenstände (beispielsweise Klötzchen, Magneten, Korken o. Ä.)

Zeit:

5 – 15 Minuten

Ziel:

Kinder lernen Formen der Partizipation kennen und nutzen (Mehrheitsentscheidung aus einer Vielzahl von Vorschlägen)

Durchführung:

Eine Fachkraft stellt den Kindern die Optionen vor, zwischen denen sie sich entscheiden dürfen. Idealerweise sind darunter schon Vorschläge der Kinder. Beispielsweise soll ein Beet neu bepflanzt werden: Von den zehn gekauften Blumensamen passen nur sieben Pflanzensorten tatsächlich auf das Beet. Jedes Kind wird aufgefordert, seinen Abstimmungsgegensand auf das Samentütchen seiner Wahl zu legen. Die sieben Samentütchen, auf denen die meisten Abstimmungsgegenstände liegen, haben eine Mehrheit gefunden und werden auf das Beet gepflanzt.

Methode “Zukunftswerkstatt” leicht abgewandelt aus Quelle: „Kinder an kommunalen Entscheidungen beteiligen. Praxisbeispiele und Arbeitsmaterialien“, eine Broschüre des Programms Demokratie in Kinderhand der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung (DKJS), 2019, S. 33 des pdfs.

Quelle der drei kürzeren Methoden: „Methodensammlung: Lernorte der Demokratie im Vor- und Grundschulalter“ der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung (DKJS), Regionalstelle Sachsen, Dresden. 2009, Kapitel 6.3, 6.4 und 6.6 Seiten 66-67. Die Autor:innen der Broschüre nennen als Urheber der Methoden: Sturzbecher, D. / Großmann, H. (Hrsg.) 2003 A: Praxis der sozialen Partizipation im Vor- und Grundschulalter. München, Basel: Ernst Reinhard.

Hier geht es zum Download-PDF der „Methodensammlung Kita-Kinder beteiligen“

Räumlichkeiten fördern Selbstständigkeit

Ein für die Kinder möglichst eigenständig und partizipativ gelebter Kita-Alltag setzt entsprechend gestaltete Räumlichkeiten und Außenbereiche voraus, ausgestattet mit möglichst anregendem und kindgerechtem Mobiliar sowie vielen unterschiedlichen Spiel-, Bau- und Bastelmaterialien. Spezielle Bereiche oder Räume in der Einrichtung, wie beispielsweise Lese-, Puppen-, Bau- oder Kreativecken sowie andere Spiel- und Bewegungszonen sollten selbsterklärend und von den Kindern auch ohne Anleitung oder Aufsichtsperson nutzbar sein. Gleiches gilt für Dinge des alltäglichen Gebrauchs, etwa im Ess- oder Sanitärbereich. Ebenso wichtig wie die attraktive Ausstattung ist die physische Erreichbarkeit und Verfügbarkeit wichtiger Alltagsdinge. Sprich: Die Kinder sollten wiederkehrende Alltagsroutinen oder neue Spiel- und Lernanlässe möglichst selbstständig bewältigen oder initiieren können – ohne Erwachsene jedes Mal um Erlaubnis oder Unterstützung bitten zu müssen. Deshalb sollten die Gegenstände des täglichen Gebrauchs, ausgenommen potenziell gefährlicher Werkzeuge oder Materialien (wie scharfe Scheren, gefährliche Klebstoffe etc.), permanent „in Kinderhöhe“ zur Verfügung gestellt werden.

Um zu überprüfen, ob die Räumlichkeiten der Kita kindgerecht und sicher ausgestattet sind, kann die Kita-Leitung die Fachkräfte bitten, die Kinder über einen bestimmten Zeitraum hinweg bewusst zu beobachten und sich dabei folgende Fragen zu stellen: Ist das, was die Kinder häufig zum Spielen oder auch in im Ess- oder Sanitärbereich benötigen (z. B. Becher, Getränke, Handtücher, Zahnpflegeartikel) frei zugänglich? Kommen auch die Jüngsten mit denen ihnen gebotenen Gegenständen oder Hilfsmitteln alleine zurecht (z. B. Handhabung Besteck, Öffnen von Kisten etc.)? Passt die Höhe der Tische, Stühle, Waschbecken oder Toiletten für Kinder aller Altersstufen? Zusätzlich zu dieser Beobachtung können Fachkräfte die Räumlichkeiten auch einmal selbst „auf Kinderhöhe”, beispielsweise auf einem Rollbrett sitzend, inspizieren. Nicht zuletzt bietet es sich an, die Kinder selbst mithilfe kindgerechter Methoden aktiv bei der Planung und Gestaltung der Räumlichkeiten und Außenbereiche einzubeziehen.

Eine gut ausgestattete und sichere Umgebung ist das A und O für die Beteiligung der Jüngsten am Kita-Alltag. So können die Kinder von Anfang an ihren Grundbedürfnissen und neuen Impulsen nachgehen, ohne sich vorab zu erklären zu müssen. Dies wiederum fördert deren Motivation, möglichst viele Dinge selbst zu entscheiden und zu tun.

Methode: Kita-Detektive – Beschwerdemanagement mit Kindern in der Einrichtung

Bei der Methode „Kita-Detektive“ machen die Kinder einen Rundgang durch die Einrichtung und äußern zu einzelnen Stellen und Orten eigene Ideen, Kritik und Wünsche. Kärtchen und Zeichnungen helfen ihnen dabei, auszudrücken, wo sie am liebsten spielen und was sie an bestimmten Orten stört. So erfassen die Fachkräfte die Kindersicht auf Begebenheiten in der Kita, die ihnen vorher vielleicht nicht aufgefallen wären – und können diese bei Bedarf verändern.

Geeignet für:

3 bis 10 Kinder in einer Gruppe, mehrere Gruppen sind möglich

Zeit:

mindestens 90 Minuten

Material:

“Detektivbogen” und Stifte, Klemmbretter, Sofortbildkameras,
Smiley- und Symbolkärtchen (hier als Download-PDF zum Ausdrucken)

Ziel:

Die Kinder gehen in den Räumlichkeiten und Außenbereichen der Kita auf Erkundungstour und markieren Dinge oder Orte, die ihnen (nicht) gefallen mit den beigefügten Smileys und Symbolen oder schreiben bzw. malen ihre Ideen und Wünsche auf ein Blatt. Auf diese Weise findet das Team heraus, welche “Ecken” besonders beliebt sind und wie die Kita noch kindgerechter gestaltet werden könnte.

Ablauf:
  1. Erläutern Sie den Kindern das Ziel und den Anlass der Erkundungstour.
  2. Stellen Sie den Ablauf vor.
  3. Erklären Sie, was anschließend mit den Ergebnissen passiert und wann und in welcher Form die Kinder eine Rückmeldung bekommen.
  4. Lassen Sie die Kinder allein oder in Begleitung durch die Kita und die Außenbereiche gehen.
  5. Die Kinder legen an den betreffenden Stellen Smileys und Symbolkarten aus oder fotografieren die diese mit der Digitalkamera und notieren oder malen mit Ihrer Unterstützung etwas auf den Detektivbogen.
  6. Anschließend oder in einem weiteren Treffen können Sie die Ergebnisse gemeinsam mit den Kindern und im Team begutachten. Welche Orte sind beliebt oder auch nicht – und warum? Was könnte das Team oder die Kita-Gemeinschaft an “unschönen” Stellen verändern?
Tipp:

Je nach Alter der Teilnehmenden kann diese Methode sehr spielerisch gestaltet werden. Hierfür stattet das Team die Kinder mit Detektivausweisen, Lupen oder “Detektivkoffer” (die die Kärtchen enthalten) aus. Die Kinder pirschen sich auf leisen Sohlen an die “Tatorte“ in der Kita heran und legen ihre Kärtchen “heimlich” ab.

Ideen für Kärtchen:

Die Smileys und Symbolkärtchen können einzeln oder auch in Kombination abgelegt werden, z. B. lachender Smiley + Sandspielzeug => hier kann man gut spielen; trauriger Smiley + Ball => hier kann man nicht gut Ball spielen.

Smileys:
Fröhlich (finde ich gut), traurig (nicht gut), “neutral” (weiß nicht)

Symbole:
Ball (Ballspiele), Springseil (Bewegungsspiele), Glühbirne (hier habe ich eine Idee), Fragezeichen (warum ist das so?), Stift (malen, basteln), Mond und Sterne (ausruhen, schlafen), Bauklötze (bauen), Lupe (entdecken, forschen), Würfel (Gesellschaftspiele), Besteck (Essen), Buch (lesen, Sprache), Computer (digitale Medien), Trommel (Musik), Hände (Treffpunkt), Rollstuhl (barrierefrei), Superheldin (Rollenspiel, verkleiden), Hand mit Wasserhahn (Hygiene), Hand mit Pflanze (BNE), Rechenrahmen (Mathematik), Hand (Stopp, Vorsicht), Zelt (verstecken spielen)

Dies ist nur eine Auswahl an möglichen Karten, die Sie für die Methode nutzen können. Diese und weitere Symbole finden Sie bei den Piktogrammen in Microsoft Office.

Methode in Anlehnung an Quelle: „Kinder an kommunalen Entscheidungen beteiligen. Praxisbeispiele und Arbeitsmaterialien“, eine Broschüre des Programms Demokratie in Kinderhand der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung (DKJS), 2019.

Hier geht es zum Download-PDF des Tools „Kita-Detektive“.

Hier geht es zum Download-PDF der Smiley- und Symbolkärtchen.

Haltung und Beschwerdemanagement des Teams

Zu jedem selbstbestimmten Spiel- und Lernanlass in der Kita gehört im Grunde eine Fachkraft, die entsprechende Situationen auch zulässt oder – besser noch – auch fördert. Dies bedeutet, dass die freie (Mit-)Gestaltung der Kinder vom Team nicht als „Belastung on top“, sondern als essenzieller Teil der pädagogischen Arbeit verstanden und idealerweise auch konzeptionell festgehalten wird. Entgegen der vielerorts vorherrschenden Annahme, dass kindliche Partizipation zu viel Zeit beansprucht und die Planung „sinnvoller“ Angebote erschwert, kann diese zur Entschleunigung des Alltags beitragen und neue, bisher unbekannte Situationen und Themen zutage bringen, die die Weiterentwicklung der Kinder und des Teams fördern.

Die Kita-Leitung ermutigt die Mitarbeitenden, möglichst viele Gelegenheiten zu schaffen, in welchen die Kinder eigenständig aktiv werden können. Sie zeigt auf, wie die Fachkräfte diese Anlässe zur Förderung bestimmter Fähigkeiten oder Kenntnisse nutzen können. Ergänzend greift das Team auch bei der Planung „fester“ Angebote oder Projekte die Lebenswelten und die (tages)aktuellen Interessen der Kinder auf. Diese lassen sich durch Beobachtung, Unterhaltungen „nebenbei“, etwa während der Mahlzeiten, sowie im Morgenkreis oder im Rahmen von Kinderkonferenzen gut herausfinden.

Hinsichtlich der Wünsche, Sorgen und Meinungen der Jüngsten zeigt sich das Team offen und reflexionsbereit: Idealerweise etabliert es im Rahmen des Beschwerdemanagements in der Kita verschiedene Möglichkeiten für den Nachwuchs, seine Ansichten frei zu äußern. Beispielsweise kann eine Fachkraft oder die Kita-Leitung in einer offenen Sprechstunde zu festgelegten Zeiten (für Kinder verständlich, z. B. immer nach dem Frühstück) und in dafür bekannten Räumen oder „Ecken“ vertraulich angesprochen werden. Alternativ wählen die Kinder erwachsene Vertrauenspersonen oder Streitschlichter:innen unter den älteren Kindern, die sie jederzeit um Rat fragen können. Auch die klassische „Wunsch- oder Beschwerdebox“, gut sichtbar und leicht zugänglich im Kita-Flur angebracht, eignet sich gut dafür, die Wünsche der Kinder – und auch der Eltern – zu erfragen. Im Sinne der Niedrigschwelligkeit ist das Beschwerdemanagement so organisiert, dass auch jene Kinder, die sich (noch) nicht so gut ausdrücken können, ermutigt fühlen, sich zu äußern. Nicht zuletzt ist es wichtig, dass die Kita-Leitung und die Fachkräfte auch alle Wünsche und Kritikpunkte der Kinder ernst nehmen und möglichst zeitnah aufgreifen. Wichtige Anliegen, die sich nicht auf kurzen Wegen umsetzen oder klären lassen, werden in Gesprächen mit den Kindern, Eltern oder auch im Team thematisiert.

Partizipation der Eltern

Eltern informieren und beteiligen

Die Befürchtung, dass viele unterschiedliche Sichtweisen, Ideen und Wünsche im Kita-Alltag einen zeitlichen und organisatorischen Mehraufwand mit sich bringen, ist meistens unbegründet. Ebenso wenig führt eine stärkere Beteiligung der Eltern zwingend zu einem Konflikt mit den Ansichten und Handlungsabsichten des Kita-Teams. Vielmehr können Eltern und Familien den Kita-Alltag durch eigene Initiativen und Angebote vielseitig bereichern.

Die Leitungsfachkraft nimmt den Kolleg:innen die mögliche Scheu gegenüber partizipativen Prozessen, zeigt deren Chancen auf und gestaltet bewusst verschiedene Beteiligungsformate für Eltern. Hierfür bauen Leitung und Team persönliche Beziehungen zu den Eltern auf, finden deren Interessen und Stärken heraus und motivieren sie zum Mitwirken. An dieser Stelle ist es wichtig, die Vielfalt der familiären Lebenswelten und Sprachen zu berücksichtigen, um tatsächlich allen die gleichen Chancen auf Partizipation zu geben.

Dauerhaftes Elternengagement anzustoßen, erfordert mitunter Zeit und Mut von allen Seiten. Doch sobald Väter, Mütter oder auch andere Bezugspersonen der Kinder erste Initiativen gebildet haben, eigenständig kleine Projekte umsetzen und sich als selbstwirksamen und aktiven Teil der Kita-Gemeinschaft begreifen, erlebt das Team die Elternbeteiligung als Entlastung statt als Belastung.

Impuls: Vorurteile zu Partizipation im Team besprechen 

„Die Partizipation der Eltern bringt doch nur Mehraufwand!“ oder „Beteiligen wir nicht schon genug?“ – Es herrschen viele Vorurteile über die Einbindung von Eltern in wichtige Entscheidungen des Kita-Alltags. Hier geht es darum, diese zu hinterfragen und die positiven Seiten der Elternbeteiligung schätzen zu lernen.

Folgende sechs Vorurteile und Gegenargumente können entsprechende Reflexionen im Team anregen.

Idealerweise starten Sie die jeweilige Besprechungsrunde mit einem Vorurteil und lassen die Kolleg:innen dann gemeinsam nach individuellen Antworten suchen. Die hier dargelegten Gegenargumente sind nur beispielhaft.

Partizipation ist gefährlich! Man weiß nie, was dabei herauskommt.

Partizipation bereichert! Eltern können ihre Stärken einbringen.

 

Mit einem durchdachten Angebot erreichen wir alle Eltern, oder?

Das Angebot ist wie die Eltern – vielfältig.

 

Nur vier Mütter? Dann lohnt sich der Aufwand für dieses Angebot nicht.

Die Eltern, die da sind, sind genau die Richtigen. Jedes Treffen ist eine Chance.

 

Das Plakat hängt doch an der Infowand!

Persönliche Gespräche sorgen für ein starkes Miteinander.

 

Ich mache den Job seit 20 Jahren! Ich weiß, was die Eltern brauchen.

Den Blickwinkel verändern und neue Wege gehen.

 

Erst wenn es Probleme gibt, müssen die Eltern einbezogen werden.

Gemeinsame Erlebnisse schaffen eine Basis für Vertrauen.

Vorurteile und Gegenargumente in Anlehnung an Bildunterschriften aus Quelle:
„Gemeinsam erfolgreich. Eltern als Bildungs- und Erziehungspartner“. Deutsche Kinder- und Jugendstiftung (DKJS) in Zusammenarbeit mit den Programmen Lichtpunkte und Mittel.Punkt.

Hier geht es zum Download-PDF des Tools „Vorurteile zu Partizipation im Team besprechen“

Engagement wertschätzen und fördern

Für eine Informationsveranstaltung hat die Kita-Leitung eine renommierte Referentin eingeladen, Mittel für Honorar und Reisekosten aufgetrieben und die Eltern auf verschiedenen Kanälen eingeladen – doch die Stuhlreihen bleiben weitgehend leer. In solchen Momenten stellen sich Verantwortliche mitunter die Frage: „Für wen und warum machen wir das hier überhaupt?“ Angesichts der intensiven Vorbereitung, trotz zahlreicher anderer Leitungsaufgaben, ist eine Enttäuschung über die mangelnde Teilnahme zunächst verständlich.

Es gibt jedoch auch viele Gründe, jedes noch so kleine Anzeichen von Interesse und Engagement seitens der Eltern zu sehen, zu wertschätzen und zu fördern: Vielleicht sind es gerade die wenigen Anwesenden, welche die Kita-Leitung und das Team in die Planung und Gestaltung der nächsten Angebote einbeziehen können? Vielleicht lernen sich alle im kleinen Kreis besser kennen oder tauschen Ideen aus, wie abwesende Eltern in Zukunft besser erreicht werden können? Es liegt an der Kita-Leitung, auch Veranstaltungen mit wenig Teilnehmenden und jedes noch so „kleine“ Zusammentreffen mit den Eltern als Chance zu begreifen und den Blick des Teams auf die positiven Aspekte zu lenken.

Impulsfragen: Partizipation der Eltern

Die Ideen und das Engagement der Eltern können die Kita-Arbeit enorm bereichern. Mithilfe der folgenden Impulsfragen können Kita-Leitung und Fachkräfte gemeinsam den Status Quo der partizipativen Elternarbeit in der eigenen Einrichtung feststellen. Die Fragen beleuchten nicht nur das Vorhandensein passgenauer Angebote für Mütter und Väter, sondern auch die gemeinsame Haltung im Team sowie dessen Wertschätzung der Fähigkeiten sowie des Engagements der Eltern.

Beteiligung der Eltern

  • Welche Angebote oder Projekte in der Kita können Eltern ohne Kita-Leitung oder Fachkräfte realisieren?
  • Wo entscheiden diese gemeinsam mit dem Team?
  • An welchen Angeboten und Prozessen können Sie Eltern (noch stärker) beteiligen?
  • In welchen Bereichen sollten Leitung oder Team bestimmte Dinge allein in der Hand behalten?
  • Zu welchem Anlass (Projekt, Fest, Aktivität) hat die Kita die Eltern zuletzt eingebunden?
  • Was lief hier gut, was nicht?
  • Welche Erkenntnisse lassen sich hieraus für die zukünftige Zusammenarbeit ziehen?

Interessen und Stärken der Eltern  

  • Was wissen Sie über die Interessen, Berufserfahrungen und Kompetenzen der Eltern?
  • Was davon könnte das Kita-Leben bereichern?
  • In welcher Form ließen sich die von Eltern gestaltete Angebote in der Kita umsetzen?
  • Welche Personen könnte man dafür in einem ersten Schritt ansprechen?
  • Wer im Team könnte die Koordination solcher Angebote übernehmen?

Wertschätzung des Elternengagements 

  • Woran machen Sie fest, dass ein Kita-Angebot für oder mit Eltern erfolgreich ist oder nicht?
  • Wo und auf welchem Weg suchen Sie die Gründe für beispielsweise eine geringe Teilnahme an Veranstaltungen?
  • Passen Ihre Veranstaltungsformate zur Elternschaft?
  • Können bestimmte Eltern als Multiplikatoren fungieren, um weitere Eltern einzubeziehen?
  • Gibt es Mitglieder des Elternbeirats, des Fördervereins oder mehrsprachige Eltern, die noch stärker eingebunden werden könnten?

Hauptquelle der Impulsfragen: “Gemeinsam erfolgreich – Eltern als Bildungs- und Erziehungspartner”, eine Broschüre der Programme Lichtpunkte und Mittel.Punkt der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung (DKJS).

Hier geht es zum Download-PDF der Impulsfragen zum Thema „Partizipation der Eltern“.

Methode: Elternbefragung

Die Partizipation der Eltern ist eine wichtige Ressource zur Weiterentwicklung von Kita-Qualität. Eine geeignete Methode, um deren Anregungen, Sichtweisen und Bedürfnisse systematisch zu erfassen, ist die Elternbefragung.

Material

Papier, PC, Drucker

Zeit:

Die Durchführung dauert ca. 20 Minuten pro befragter Person; die Vor- und Nachbereitungszeit im Team sind abhängig von Umfang und Frageform.

Ziel:

Die Eltern geben ihr Feedback zu verschiedenen Arbeitsbereichen der Kita. Dieses Feedback wird interpretiert und in die zukünftige Arbeit einbezogen.

Durchführung:

Zunächst wird gemeinsam geklärt, was das Team von den Eltern wissen möchte. Darauf basierend erarbeiten Verantwortliche einen Fragebogen. Das Erstellen von Fragebögen ist an gewisse Regeln gebunden, wie beispielsweise die Übersichtlichkeit des Aufbaus, verständliche Antwortvorgaben, usw. Auch die Frageform sollte bedacht werden: Beinhaltet der Bogen offene Fragen, die keine Antwortvorgaben enthalten oder geschlossene Fragen, die ein Spektrum an Antworten vorgeben? Beides hat Vor- und Nachteile. So sind offene Fragen aufwendiger auszuwerten, wohingegen geschlossene Fragen alle potenziellen Antwortmöglichkeiten beinhalten sollten. Diese sind in ihrer Gesamtheit wiederum schwer zu erfassen.

Die Befragung selbst kann beispielsweise im Rahmen eines Elternabends oder innerhalb eines bestimmten Zeitraums (z. B. eine Woche) erfolgen. Wenn die Befragten ihre Antwortbögen in eine “Zettelbox” werfen, statt diese persönlich abzugeben, kann die Anonymität besser gewahrt werden. Diese ist wichtig für ein ehrliches Feedback.

Auswertung:

Die Auswertung der Antworten erfolgt im Team, idealerweise in Kleingruppen. Diese setzen sich mit verschiedenen Fragestellungen auseinander: Welche Ergebnisse haben uns am meisten überrascht? Was haben wir so erwartet? Welche Ursachen liegen vermutlich hinter bestimmten Ergebnissen? Abschließend diskutiert das Team alle Auswertungsergebnisse, um gemeinsam darüber zu entscheiden, wie die Eltern über die Befragungsergebnisse informiert werden und vor allem, welche Verbesserungen und Maßnahmen sich daraus für die Kita ableiten lassen.

Tipp:

Die kostenfrei erhältliche Software Grafstat eignet sich gut, um eine Elternbefragung vorzubereiten. Ein passendes Handbuch enthält umfangreiche Hinweise zur Fragebogenerstellung und -auswertung.

Quelle: „Methodensammlung: Lernorte der Demokratie im Vor- und Grundschulalter“ der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung (DKJS), Regionalstelle Sachsen, Dresden, 2009, Kapitel 7.1, Seite 77 des PDFs.

Hier geht es zum Download-PDF des Tools „Elternbefragung“.

Vertrauensvolle Erziehungspartnerschaften aufbauen

Die Eltern kennen ihren Nachwuchs am besten, die Kita-Fachkräfte betreuen diesen über einen langen Zeitraum hinweg fast täglich. Um die Kinder bestmöglich zu begleiten und zu fördern, gehen beide Seiten eine wertschätzende und vertrauensvolle Erziehungspartnerschaft ein. Sie tauschen sich von Anfang an regelmäßig über den Entwicklungsstand des Kindes sowie dessen Aktivitäten in der Kita aus – nicht erst dann, wenn es Probleme gibt.

Die Kita-Leitung fördert den Aufbau dieser partnerschaftlichen Beziehungen zwischen Fachkräften und Eltern auf verschiedenen Ebenen:

Beobachtung und Dokumentation: Ein wichtiges Fundament für die Kommunikation mit den Eltern ist eine systematische Beobachtung und Dokumentation der kindlichen Bildungs- und Entwicklungsprozesse. Die Kita-Leitung sensibilisiert die Fachkräfte in diesem Zusammenhang für eine transparente Vorgehensweise. Indem diese den Eltern erklären, warum sie den Nachwuchs beobachten und dessen Entwicklungsfortschritte dokumentieren, vermeiden sie Missverständnisse und Unsicherheiten.

Elterngespräche auf Augenhöhe: Die Fachkräfte lassen die Eltern auf Entwicklungsgesprächen an den Beobachtungen im Kita-Alltag teilhaben, machen ihre Dokumentation transparent und erfragen gleichzeitig die Einschätzung der Sorgeberechtigten. Auf diese Weise zeigen die Fachkräfte, dass sie die Bedürfnisse des Kindes im Blick haben und an einer Beziehung mit den Eltern auf Augenhöhe interessiert sind. Zudem erhöhen sie deren Vertrauen in die pädagogische Arbeit des Teams und deren Bereitschaft zur Zusammenarbeit.

Regelmäßiger Austausch: Die Kita-Leitung motiviert die Fachkräfte, auch im Kita-Alltag mit Eltern ins Gespräch zu kommen, beispielsweise bei gemeinschaftlichen Aktivitäten oder bei Tür-und-Angel-Gesprächen. Jede Familie lässt sich auf eine andere Weise gut erreichen und hat unterschiedlichen Gesprächsbedarf. Auch könnten Schüchternheit, Unsicherheit oder Sprachbarrieren dem Austausch im Wege stehen. Es ist die Aufgabe der Fachkräfte, auf die Eltern zuzugehen und herauszufinden, was diese brauchen.

Vorurteilsfreie Haltung: Das Team wird angehalten, bestimmte Verhaltens- oder Sichtweisen der Eltern nicht voreilig zu bewerten, sondern sich vorurteilsfrei auf deren unterschiedliche Lebenssituationen und Erziehungsmodelle einzulassen. Dazu gehört auch die Bereitschaft der Leitung sowie der Fachkräfte, die eigenen pädagogischen Wertevorstellungen zu hinterfragen und sich dialogbereit zu zeigen.

Wenn das Kita-Team den Eltern auf Augenhöhe begegnet, sensibel auf deren Bedürfnisse eingeht und eine konstruktive wie wertschätzende Gesprächskultur pflegt, entstehen vertrauensvolle Erziehungspartnerschaften. Diese kommen nicht nur den Eltern und Fachkräften, sondern vor allem den Kindern zugute.

Für Neues öffnen, um Eltern zu unterstützen

Manchmal erleichtern Routinen den Kita-Alltag. Insbesondere Leitungsfachkräfte mit Berufserfahrung können die Bedürfnisse von Eltern oft automatisch gut einschätzen. Dennoch sollten sie angesichts ihrer langjährigen Erfahrungen und vielseitiger Qualifikationen nicht in eine Routinefalle geraten. Ebenso wie sich junge Leitungsfachkräfte am besten nicht zu sehr von ihren Vorgänger:innen beeinflussen lassen und bei der Elternarbeit nicht nur auf „Bewährtes” setzen.

Vielmehr erfordert die Vielfalt der Familien und Eltern eine ständige Offenheit der Leitung sowie des Teams gegenüber neuen Ideen, deren Bereitschaft zur Selbstreflexion sowie den Mut, Gewohnheiten zu verändern. Diese Einstellung bezieht sich idealerweise nicht nur auf interne Themen und Prozesse, sondern begünstigt auch den Blick über den Tellerrand: So kann das Team auch von externen Akteur:innen lernen und Angebote aus dem Kita-Umfeld im Sinne der Eltern nutzen. In einem kooperativen Netzwerk, beispielsweise mit sozialen Diensten, Ämtern, Vereinen oder Kultureinrichtungen aus dem Sozialraum, können die Einrichtungen den Familien ein umfangreiches und bedarfsgerechtes Bildungs- und Beratungsangebot machen.

Partizipation des Teams

Gemeinsame Entscheidungsprozesse

Eine Kita lebt von den individuellen Fähigkeiten der Mitarbeitenden und dem reibungslosen Zusammenspiel im Team. Daher ermutigt die Kita-Leitung alle Mitarbeitenden ausdrücklich, sich zu beteiligen und das Kita-Leben aktiv mitzugestalten. Deren Partizipation fördert nicht nur die Entscheidungsfindung und die qualitative Weiterentwicklung der Einrichtung, sondern stärkt auch den Zusammenhalt und die Selbstwirksamkeit der Mitarbeitenden. Nur wer selbst das Gefühl hat, an Prozessen beteiligt zu sein und partizipatorische Strukturen kennt, befürwortet und lebt, kann diese auch an Kinder und Eltern weitervermitteln.

Regelmäßige Teamsitzungen bieten einen geeigneten Rahmen für demokratische Entscheidungsprozesse im Team. Ob es nun darum geht, Projekte zu organisieren, Herausforderungen zu meistern, Konflikte zu lösen oder auch organisatorische Themen wie den Jahresetat oder die Kita-Konzeption zu besprechen – idealerweise werden die Mitarbeitenden in allen Bereichen des Kita-Lebens einbezogen. Auch die Partizipation selbst, sprich: die tatsächlichen Beteiligungsmöglichkeiten der Mitarbeitenden, Kinder und Eltern in der Kita, sollten auf diese Weise reflektiert werden. Ist sich das Team über wesentliche Qualitätskriterien einig und gut eingespielt, macht sich dies positiv im Kita-Alltag bemerkbar. Zudem identifizieren sich Mitarbeitende, die aktiv mitgestalten, auch besser mit der pädagogischen Arbeit sowie mit der Einrichtung.

Methode: Veränderungsporträt – Beteiligung der Fachkräfte

Die Beteiligung der Mitarbeitenden bei wichtigen Entscheidungen rund um den Alltag, die Struktur und die Arbeitsweise in der Einrichtung ist wichtig, wenn sich alle Fachkräfte mit ihrem Tun in der Kita identifizieren sollen. Mittels folgender Methode lassen sich die individuellen Stärken und Wünsche der Mitarbeitenden auf kreative Art und Weise herausfinden.

Material:

Kopierte Zettel mit Silhouette eines Menschen für jeden Teilnehmenden, Stifte, ggf. ein Aufnahmegerät zum Aufzeichnen

Zeit:

30 – 60 Minuten

Ziel:

Partizipation im Team stärken, Artikulation der eigenen Stärken, Wünsche und Meinungen

Durchführung:

Jeder und jede Teilnehmende erhält ein Blatt mit der Silhouette eines Menschen. Diese können zunächst mit den Stiften so umgestaltet werden, dass die Silhouetten dem Aussehen der jeweiligen Person entsprechen. Nun überlegen sich die Teilnehmenden, welche Stärken sie an ihrem Körper und in ihrem Handeln markieren und beschreiben können. Dazu machen sie sich an bestimmte Stellen der Silhouette kurze Notizen (z. B. „Mit meinen Händen kann ich besonders gut malen“, „Mit meinem Kopf kann ich analytisch denken“). Es können aber auch Veränderungswünsche markiert werden (z. B. „Mit meinen Füßen möchte ich mit meiner Kita-Gruppe häufiger Ausflüge in die Natur machen“, „Mein Herz wünscht sich eine verständige Kita-Leiterin“). Die Veränderungen können sich sowohl auf die einzelne Person als auch auf eine größere Gemeinschaft beziehen. Dann werden die Veränderungsporträts einzeln vorgestellt und die Kommentare ggf. mit dem Aufnahmegerät aufgezeichnet.

Quelle: „Methodensammlung: Lernorte der Demokratie im Vor- und Grundschulalter“ der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung (DKJS), Regionalstelle Sachsen, Dresden, Kapitel 6.5, Seite 60 des PDFs.

Hier geht es zum Download-PDF des Tools „Veränderungsporträt – Beteiligung der Fachkräfte“

Aufgaben stärkeorientiert delegieren

Auch wenn eine Leitungsfachkraft viele Entscheidungen alleine treffen könnte oder dürfte, bindet sie die Kolleg:innen bei möglichst vielen Themen mit ein und strebt mehrheitliche Beschlüsse an. Dies ist sowohl in großen als auch in kleinen Einrichtungen möglich und sorgt nicht nur für Entlastung im Alltag, sondern stärkt auch die Eigenverantwortung der Mitarbeitenden. Vom Schreiben des Dienstplans über die Organisation der Kooperationen bis zur möglichen Supervision digitaler Geräte – entscheidend ist, dass die Leitungsfachkraft die Aufgaben nicht „top-down“ überträgt, sondern der Interessen und Stärken einzelner Mitarbeitenden entsprechend. So können auch schon Auszubildende die Verantwortung für einen bestimmten Bereich übernehmen, wenn sie entsprechende Fähigkeiten mitbringen und motiviert sind.

Im Rahmen von Einzel- und Teamgesprächen erfragt die Kita-Leitung die Zusatzqualifikationen, Talente oder Leidenschaften der Mitarbeitenden, um neue Projekte und Zuständigkeitsbereiche möglichst stärkeorientiert zu delegieren. So stellt sie sicher, dass die Angebote in der Kita tatsächlich – und dann meistens auch mit viel Hingabe – umgesetzt werden.

Quellen

Die Texte des Kapitels „Teilhabe stärken“ basieren hauptsächlich auf dem Wissen der im Impressum unter „Text und Redaktion Toolbox“ genannten Personen. Speziell für dieses Kapitel wurden ergänzend folgende zusätzliche Quellen als Inspiration herangezogen:

Die Quellen der einzelnen Tools sind in den jeweiligen gelben Textblöcken genannt und verlinkt.