Toolbox Qualität stärken

Die Qualitätsentwicklung ist entscheidend für eine gute frühkindliche Bildung, Betreuung und Erziehung in der Kita und umfasst weitaus mehr, als eine punktuelle Optimierung bestimmter Arbeitsprozesse. Vielmehr sorgt die Kita-Leitung dafür, dass alle wesentlichen Bereiche des Kita-Lebens – von der Konzeption über die Strukturen und Inhalte bis hin zur Personalführung – kontinuierlich reflektiert und verbessert werden. Dies setzt einen verantwortungsvollen und gleichzeitig offenen, demokratisch geprägten Leitungsstil voraus: Es gilt, die unterschiedlichen Stärken, Sichtweisen und Bedürfnisse der Mitarbeitenden zu erkennen und diese in wichtige Entscheidungsprozesse einzubeziehen. Wenn auch die Kinder und Eltern den Alltag partizipativ mitgestalten können, beinhaltet gute Qualität genau das, was den Menschen in der Kita-Gemeinschaft wichtig ist.

Qualitätsentwicklung im Team und auf Leitungsebene

Konzeptionsentwicklung und pädagogische Haltung

Die offizielle Konzeption ist zum einen Voraussetzung für die Betriebserlaubnis einer Kita und Grundlage der pädagogischen Arbeit. Zum anderen dient sie Leitung, Team und Träger, Eltern und anderen Interessierten als inhaltlicher Leitfaden und Orientierung. Indem das Dokument auf die Struktur der Einrichtung, die Gestaltung des Alltags sowie auf inhaltliche Schwerpunkte eingeht, macht es die Alleinstellungsmerkmale einer Kita deutlich. Wobei es von großer Bedeutung ist, die in der Konzeption theoretisch formulierten Merkmale und Ziele tatsächlich auch in der Praxis umzusetzen.

Transparenz nach innen und außen ist jedoch nur eine wichtige Funktion der Konzeption. Für die Kita-Leitung ist sie auch eine wichtige Grundlage, um die eigene Arbeitsweise sowie das pädagogische Handeln im Team regelmäßig zu überprüfen, bestimmte Inhalte und Kompetenzen zu fördern sowie Qualifizierungs- und Verbesserungsbedarfe zu identifizieren.

Überdies hat die Leitung bei jeder (Neu-)Entwicklung oder Überarbeitung des Konzepts die einzigartige Chance, zentrale Werte der Einrichtung, wie Toleranz, Vielfalt oder Teilhabe, Themen wie Kinderrechte oder Nachhaltigkeit sowie das gemeinsame Verständnis von Demokratie und Partizipation schriftlich zu verankern – und damit verbindlich zu machen. So vereint eine Konzeption die Arbeitsweise und die Haltung sowie das Wissen aller Fachkräfte und macht die Kita einzigartig. Finden sich alle Mitarbeitenden darin wieder, kann das Konzept auch das Gemeinschaftsgefühl im Team stärken. Voraussetzung dafür ist, dass die Kita-Leitung alle Fachkräfte einbezieht, wenn sie die Konzeption entwickelt oder überarbeitet. Je nachdem, wie partizipativ eine Kita ausgerichtet ist, erhalten in diesem Zusammenhang auch Kinder und Eltern Mitsprachemöglichkeiten.

Methode: Wortspiel – Beteiligung des Teams bei der Kita-Qualitätsentwicklung

Die Beteiligung der Mitarbeitenden bei wichtigen Entscheidungen rund um den Alltag, die Struktur und die Arbeitsweise in der Einrichtung ist wichtig, wenn sich alle Fachkräfte mit ihrem Tun in der Kita identifizieren sollen. Folgende Methode ist gut geeignet, um sich bei Teamsitzungen innerhalb kurzer Zeit auf ein bestimmtes Thema „einzuspielen” und unterschiedlicher Assoziationen dazu bewusst zu werden.

Mögliches Thema:

Mitsprachemöglichkeit der Fachkräfte in der Kita

Material:

pro Teilnehmer:in ein Blatt Papier A4, Stifte

Zeit:

10 Minuten

Ziel:

Startimpuls, um gemeinsame Haltung/Definition/Konzept zu einem bestimmten Thema zu entwickeln

Durchführung:

Die moderierende Person nennt einen bestimmten Begriff – hier zum Beispiel „Mitsprachemöglichkeit“. Alle Teilnehmenden schreiben spontan die erste Assoziation auf, die ihnen dazu einfällt. Danach erzählen sie reihum, woran sie im Zusammenhang mit diesem Begriff denken mussten.

Diese Assoziationen dienen im Anschluss als Gesprächsgrundlage mit dem übergeordneten Ziel, zu einer gemeinsamen Haltung zu gelangen, welche die unterschiedlichen Hintergründe und Wünsche jeder einzelnen Person widerspiegelt.

Leitfragen und Impulse: Kita-Konzeption

Mithilfe der Leitfragen können Leitungsfachkraft und Team sicherstellen, dass bei der (Neu-)Entwicklung oder Überarbeitung der Kita-Konzeption alle wichtigen Aspekte berücksichtigt werden. Die Impulse geben Verantwortlichen konkrete Handlungsempfehlungen für die Beteiligung von Mitarbeitenden, Trägervertretenden und Eltern bei der Konzeptionsarbeit.

Leitfragen:
  • Was ist eine Konzeption (für mich)?
  • Wo finde ich die Konzeption unserer Kita?
  • Wann haben wir zuletzt über unsere Konzeption gesprochen?
  • Wann haben wir die Konzeption zuletzt überarbeitet?
  • Wer war an der Erstellung der Konzeption beteiligt?
  • Wie hat sich das Team (und somit auch die pädagogische Arbeit) seitdem personell verändert?
  • Welche Kapitel beinhaltet die Konzeption und was soll darin jeweils vermittelt werden?
  • Welche pädagogischen Schwerpunkte gehen aus unserer Konzeption hervor? Spiegeln sich diese tatsächlich im Kita-Alltag wider?
  • Welche pädagogische Haltung ist aus unserer Konzeption herauszulesen?
  • Was ist unser Bild vom Kind?
  • Haben wir Tage oder Arbeitseinheiten speziell für die Konzeption angesetzt und wenn ja, nutzen wir diese tatsächlich dafür?
Impulse:

In Zusammenarbeit mit dem Team:
Nutzen Sie eine Teamsitzung oder einen Konzeptionstag, um gemeinsam die Stärken und Kompetenzen im Team zu erarbeiten. Dokumentieren sie diese, sodass im Nachgang die Möglichkeit besteht, noch einmal zu schauen, wer etwas besonders gut kann oder besonders gerne macht. Dies kann für die Projekt- und Angebotsplanung hilfreich sein. Letztlich dient diese Übersicht als Grundlage für neue bzw. andere pädagogische Schwerpunkte in der Konzeption.

In Zusammenarbeit mit dem Träger:  
Laden Sie eine:n Vertreter:in Ihres Trägers zu einer Teamsitzung oder einem Konzeptionstag ein, in welchem Sie gemeinsam über Ihre Vorstellungen zum Thema Konzeption sprechen. So stellen Sie sicher, dass auch offizielle Vorgaben eingehalten werden, bevor Sie die Konzeption intern (weiter) überarbeiten.

In Zusammenarbeit mit dem Elternausschuss:   
Bitten Sie Vertretende des Elternausschusses im Rahmen eines Gesprächs, die Konzeption in ihrer Rolle als Eltern und “Nicht-Pädagoginnen und -Pädagogen” zu lesen. Geben Sie diesen einige Leitfragen an die Hand, die im Leseprozess als Orientierung dienen. Kommunizieren Sie, was Sie von den Eltern wissen möchten oder welche Stellen Sie überarbeiten wollen (z. B. hinsichtlich klarer Formulierungen, pädagogischer Schwerpunkte und Ziele, dem vermittelten Bild vom Kind, etc.). Vereinbaren Sie im Anschluss an dieses erste Gespräch direkt einen neuen Termin in naher Zukunft, der ausreichend Zeit zum Lesen lässt. In diesem können Sie die Rückmeldung des Elternausschusses einholen und besprechen.

Leitungsverantwortung

Die Leitungsfachkraft trägt die Hauptverantwortung in der Kita – sowohl für die Mitarbeitenden und sich selbst als auch für die Kinder, die Kooperation mit den Eltern und die Gestaltung des Alltags. Angesichts der vielen organisatorischen Verpflichtungen, Termine und Fristen bei gleichzeitig knappen Zeitressourcen bietet es sich an, einzelne konkrete Aufgaben und Verantwortlichkeiten an Kolleg:innen zu delegieren. Denn kaum eine Leitungsfachkraft verfügt über die Zeit und die Expertise, um alle Themen, die an sie herangetragen werden, vollumfassend und alleine zu bearbeiten.

In diesem Zusammenhang gilt es, die individuellen Kompetenzen der Mitarbeitenden zu erkennen und sich im Team zu erkundigen, wer welche Aufgaben unterstützend übernehmen könnte und möchte. Vielleicht hat eine Kollegin organisatorisches Geschick und erstellt gerne die Dienstpläne? Oder ein Erzieher hat gute Kontakte zu Akteuren vor Ort und kann sich um die Kooperationen kümmern? Um einzelne Personen nicht zu überfordern und auch, um der eigenen Verantwortung nachzukommen, bleibt die Leitung über die delegierten Projekte informiert und bietet jederzeit ihre Unterstützung an.

Fällt es einer Leitungsfachkraft hingegen schwer, einzelne Aufgaben abzugeben oder zeigt sie ein starkes Kontrollbedürfnis, ohne dies eigentlich zu beabsichtigen, kann dies zur Überlastung und zu Konflikten im Team führen. Hier besteht die Möglichkeit, sich über ein Coaching die Möglichkeiten und Chancen des Zeitmanagements und der Aufgabendelegation aufzeigen zu lassen.

Rückmeldung des Teams fördern

Um die Zusammenarbeit im Team und die persönliche Entwicklung jedes Einzelnen zu fördern, ermutigt die Kita-Leitung die Fachkräfte nicht nur zur aktiven Beteiligung am Kita-Alltag, sondern auch zu konstruktivem Feedback. So ist auch die Kommunikation in den turnusmäßigen Personalgesprächen keine Einbahnstraße: Zum einen gibt die Leitungsfachkraft Jedem und Jeder individuelle Rückmeldung zur Arbeitsweise und benennt sachlich die positiven Aspekte und die Optimierungspotenziale. Zum anderen ermutigt sie ihr Gegenüber aber auch, selbst Wünsche und Kritik zu äußern. Dies sowohl zu Themen, welche das eigene Beschäftigungsverhältnis und den Kita-Alltag betreffen, als auch zur Arbeit der Kita-Leitung. Damit sich alle auf die Personalgespräche vorbereiten und die Mitarbeitenden auf Wunsch ihre Kritik auch anonym äußern können, bezieht die Leitung das Team auch bei der Planung der Gespräche und der Feedback-Möglichkeiten mit ein.

Methode: Ärger-Freude-Kuchen

Anhand dieser Partizipationsmethode können sich Kita-Fachkräfte ihrer positiven und negativen Gedanken zu einem bestimmten Thema, beispielsweise „Mitarbeitendengespräche“ bewusstwerden, diese visualisieren und in Relation zueinander stellen. Die Ergebnisse der Methode sind eine gute Basis, um individuelle Wünsche und Vorstellungen gegenüber der Leitung sowie Kolleginnen und Kollegen herauszustellen, im Team zu reflektieren und demokratische Prozesse zu initiieren.

Mögliche Themen

Beteiligung von Mitarbeitenden, Einbindung der Expertise von Mitarbeitenden, persönliche Entwicklungsmöglichkeiten, “Wellbeing”, Einbringen der Fachkräfte beim Thema Personalentwicklung

Material

pro Teilnehmer:in ein Blatt Papier A4 und A3, Stifte

Zeit

30 bis 60 Minuten

Ziel

Selbstreflexion, Erkennen gegenseitiger Erwartungen

Durchführung

Jede:r Teilnehmende nimmt sich ein A4-Blatt und listet den eigenen Ärger und die eigenen Freuden zu dem vorgegebenen Thema auf. Danach werden auf das A3-Blatt zwei kreisförmige Kuchen gezeichnet, die in ihrer Gesamtgröße der Größe des Ärgers und der Größe der Freude entsprechen könnten. Nun überträgt man jedes Element seiner Listen in die Kuchenkreise und symbolisiert dessen Bedeutung durch die Größe des „Tortenstücks“.

Nach dieser Selbstreflexion und visuellen Darstellung können Paare oder Kleingruppen bis zu sechs Personen ihre Kuchen einander vorstellen. Man hebt Freuden und Ärgernisse hervor, die einem selbst wichtig sind, und unterstreicht jene Anteile, bei denen man sich Verstärkung und eine Veränderung durch dieses Seminar wünscht.

Im folgenden Gespräch entdecken die Teilnehmenden gemeinsam, welche Beiträge jede:r leisten kann, welche Wünsche an die Gruppe und die Moderatorin oder den Moderator vorhanden sind. Anschließend werden diese Arbeitsergebnisse der ganzen Gruppe vorgestellt.

Quelle: „Methodensammlung: Lernorte der Demokratie im Vor- und Grundschulalter“ der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung (DKJS), Regionalstelle Sachsen, Dresden, 2009, Kapitel 7.1, Seite 34 des PDFs.

Hier geht es zum Download-PDF des Tools „Ärger-Freude-Kuchen“.

Personalmanagement

Die Bedeutung jedes einzelnen Mitarbeitenden für die Kinder sowie das Team sollte auch im Rahmen des Personalmanagements deutlich werden: So verabschiedet die Kita-Leitung scheidende Kolleg:innen gemeinsam mit den Kindern und Mitarbeitenden ebenso bewusst, wie sie neue Teammitglieder begrüßt und einarbeitet. Auch informiert sie die Eltern zeitnah über personelle Veränderungen.

Ist eine neue Stelle in der Kita zu besetzen, klärt die Leitungsfachkraft zunächst die Rahmenbedingungen der Ausschreibung sowie die aktuellen Personalstunden und Personalkompetenzen. Denn oft bietet diese Situation auch eine gute Gelegenheit, bestehende Strukturen, Gruppenkonstellationen oder inhaltliche Schwerpunkte der Kita zu reflektieren und zu verändern: Braucht das Team angesichts der aktuellen Bedarfe der Kinder gerade vielleicht eher Heil- oder Erlebnispädagog:innen statt Erzieher:innen? Entsprechende Wünsche und Bedarfe identifiziert die Leitungsfachkraft im Austausch mit Kolleg:innen und auch mit den Kindern, bevor sie diese in der Stellenausschreibung benennt.

Auch die Auswahl der Bewerbenden trifft die Kita-Leitung idealerweise nicht in Eigenregie. Es ist naheliegend, insbesondere jene Mitarbeitende, welche eng mit der neuen Fachkraft zusammenarbeiten werden, mit in den Auswahlprozesses einzubinden. In einem weiteren Schritt kann die Kita-Leitung ausgewählten, potenziellen Mitarbeitenden die Gelegenheit geben, sich in ihrer künftigen Gruppe vorzustellen – und danach auch die Kinder fragen, wen sie aus welchen Gründen favorisieren würden. Deren oft pragmatischen, aber wichtigen Wünsche und Argumente können hilfreich sein, eigene Vorbehalte gegenüber einer bestimmten Person zu hinterfragen und wichtige Impulse für die finale Bewerbendenauswahl geben.

Qualifizierung und Offenheit

Aktuelle Studien und Erkenntnisse, veränderte Bedarfe und Rahmenbedingungen, neue Kinder und Eltern – es gibt viele Gründe, warum sich eine Kita-Leitung und mit ihr das gesamte Team ständig und stetig weiterentwickelt. Auch ein guter „Status Quo“ ist kein Grund, sich organisatorischem oder inhaltlichem Input zu verschließen. Regelmäßige, fachliche Qualifizierungen geben der Leitung sowie den Kolleg:innen nicht nur die Chance, die Grundlagen ihrer Tätigkeit oder persönliche Interessen zu vertiefen. Sie zeigen auch die Bereitschaft einer Einrichtung, Qualitätsstandards hochzuhalten, dem Personal Wertschätzung zu zeigen und gute Mitarbeitende an die Einrichtung zu binden. Von Online- über Präsenzschulungen bis hin zu mehrtägigen Bildungsreisen oder externen Fachberatungen existiert ein breites Spektrum an Lern- und Fortbildungsmöglichkeiten.

Auch wenn manchmal nur einzelne Mitarbeitende an einer bestimmten Qualifizierung teilnehmen, kann das gesamte Team davon profitieren. Etwa indem die Kita-Leitung diesen die Möglichkeit einräumt, in Teamsitzungen über wichtige Inhalte und Erkenntnisse eines Kurses zu berichten oder interessante Dokumente zu teilen. So übertragen die Kursteilnehmenden nicht nur ihr Wissen, sondern auch ihre Motivation auf die Kolleg:innen und bereichern den Kita-Alltag nachhaltig.

Zur ständigen Lernbereitschaft gehört auch die Offenheit der Kita-Leitung gegenüber neuen Ansätzen und Ideen von außen. Wertvollen Input erhält eine Einrichtung durch externe Fachberatungen, etwa von Seiten des Trägers oder im Rahmen von Förderprogrammen der frühen Bildung. Eine vergleichsweise einfache Möglichkeit, Feedback „von außen“ einzuholen, ergibt sich zudem nach jedem Personalwechsel: So kann die Kita-Leitung neue Mitarbeitende nach einigen Wochen um ihre persönliche, noch vergleichsweise „frische“ Sichtweise auf den Kita-Alltag bitten. Auf diese Weise lassen sich vor allem unbewusste oder festgefahrene Routinen, Strukturen oder Prozesse neu überdenken.

Liste: Weiterbildungen mit dem Team teilen

Wissen lässt sich teilen! Kita-Fachkräfte, die an einer fachlichen Qualifizierung teilnehmen, können Kolleg:innen an den wichtigsten Dokumenten, Erkenntnissen oder persönlichen Eindrücken zu einer fachlichen Weiterbildung teilhaben lassen. So profitiert im Endeffekt das gesamte Team davon und einzelnen Mitarbeitenden fällt die Entscheidung für oder gegen eine bestimmte Maßnahme leichter. In der folgenden Vorlage können alle Qualifizierungen eingetragen werden, samt Thema, zeitlichem Umfang, persönlicher Bewertung sowie Links oder Hinweisen auf den Ablageort der Weiterbildungsdokumente.

Hier geht es zum Download der Vorlage

Feedbackbogen: Frischen Blick neuer Mitarbeitenden aufnehmen

Wenn das Team um neue Mitarbeitende verstärkt wird, ist dies nicht nur aufregend, sondern auch eine gute Chance, den frischen Blick eines (ehemals) Außenstehenden auf den Kita-Alltag zu nutzen, um unbewusste oder festgefahrene Routinen, Strukturen oder Prozesse zu erkennen. So kann die Kita-Leitung neue Kolleg:innen nach einigen Wochen um ihre persönliche, noch vergleichsweise „frische“ Sichtweise auf den Kita-Alltag bitten: Was gefällt dir gut, was weniger gut? Wie findest du den Tagesablauf? Welche Informationen fehlen dir noch? Fragen wie diese können neue Kolleg:innen mithilfe der folgenden Vorlage einfach beantworten.

Hier geht es zum Download der Vorlage

„Wellbeing“ des Personals

Die Gesundheit der Mitarbeitenden ist nicht nur aus Gründen des Arbeitsschutzes wichtig, sondern auch, um das Stresslevel der Mitarbeitenden gering zu halten und deren Motivation zu fördern. Allein die Tatsache, dass sich eine Leitungsfachkraft bewusst um Themen wie Lärmreduzierung oder ergonomisches Arbeiten kümmert, kann schon dazu führen, dass sich Mitarbeitende in ihren Bedürfnissen besser wahrgenommen fühlen. Gesundes Arbeiten in der Kita beinhaltet jedoch deutlich mehr als das: Auch das mentale und soziale Wohlbefinden der Mitarbeitenden erfordert besondere Aufmerksamkeit bei der Personalführung.

Entscheidend für entsprechende Maßnahmen ist zunächst einmal das Bewusstsein der Leitungsfachkraft, dass das „Wellbeing“ der Mitarbeitenden generell ein wichtiges Thema ist und das gesamte Team, also auch sie selbst, betrifft. Und dass es diesbezüglich keine Kompromisse oder Ausreden geben sollte. Denn gerade in Zeiten von Unterbesetzung und Stress ist es wichtig, das Wohlbefinden der Mitarbeitenden immer wieder in den Fokus zu rücken. Etwa, indem die Leitungsfachkraft trotz hoher Arbeitsbelastung an Ritualen wie Mitarbeitendengesprächen, kurzen gemeinsamen Pausen oder persönlichen Gesten der Wertschätzung festhält und darüber hinaus auch die Mitarbeitenden ermutigt, einander zu unterstützen und sich ohne Neid kleine Auszeiten zu gönnen. Neben regelmäßigen Teamsitzungen fördern auch gemeinsame Aktivitäten wie Ausflüge, Kino- oder Restaurantbesuche ein positives Miteinander im Team. Selbst wenn zeitliche oder finanzielle Ressourcen knapp sind, braucht es manchmal nur wenige Worte oder Signale, um kleine Meilensteine des Teams oder das Engagement Einzelner bewusst zu würdigen. Auf diese Weise bleibt die Leitungsfachkraft aufmerksam und trägt persönlich dazu bei, dass es den Mitarbeitenden der Kita möglichst gut geht.

Qualitätsentwicklung mit Kindern und Eltern

Kinder gestalten Inhalte und Räumlichkeiten mit

Die Kita ist ein Ort für Kinder. Daher ist es naheliegend, die Jüngsten nach Möglichkeit auch bei wichtigen Entscheidungen, die sie selbst betreffen, einzubeziehen. Auf diese Weise können die Leitung und das Team nicht nur den Kita-Alltag besonders kindorientiert gestalten, sondern auch die Selbstwirksamkeit der Kinder stärken.

Ob zur Tagesstruktur, zur Essensgestaltung, zu Ritualen und Aktivitäten sowie zu möglichen Eigenschaften potenzieller Mitarbeitender – es gibt einige Bereiche in der Kita, in welchen Kinder mitentscheiden oder zumindest wichtige inhaltliche Impulse geben können. Je verständlicher das jeweilige Thema für die Kinder ist und je früher sie in die Entscheidungsprozesse einbezogen werden, desto realistischer ist es auch, dass ihre Wünsche berücksichtigt und umgesetzt werden können. Idealerweise zeigt die Leitungsfachkraft generell (beispielsweise in der Konzeption) mögliche Bereiche auf, in welchen der Nachwuchs mitbestimmen kann und gibt den Fachkräften verschiedene, kindgerechte Beteiligungsmethoden an die Hand.

Neben inhaltlichen Fragen können Kinder auch bei der Gestaltung der Räumlichkeiten und Außenbereiche der Kita mitwirken. Deren Wünsche und Veränderungsvorschläge lassen sich gut im Rahmen von Rundgängen oder kreativen Gestaltungsprojekten identifizieren. Neben der Planung und Gestaltung sollte auch die Ausstattung der Räumlichkeiten den Wünschen und (Lern-)Bedürfnissen der Kinder entsprechen. Sind die Funktions- und Spielbereiche, Werkzeuge, Materialien sowie Hilfsmittel für alle Kinder frei zugänglich, können diese auch im Alltag selbst entscheiden, wann sie sich wo aufhalten und was sie tun wollen. Wichtig ist es in diesem Zusammenhang, auch separate Räume oder zumindest „Ecken“ zu gestalten, in die sich die Kinder auch mal zurückziehen und unbeobachtet spielen oder ruhen können.

Methode: Kita-Detektive – Beschwerdemanagement mit Kindern in der Einrichtung

Bei der Methode „Kita-Detektive“ machen die Kinder einen Rundgang durch die Einrichtung und äußern zu einzelnen Stellen und Orten eigene Ideen, Kritik und Wünsche. Kärtchen und Zeichnungen helfen ihnen dabei, auszudrücken, wo sie am liebsten spielen und was sie an bestimmten Orten stört. So erfassen die Fachkräfte die Kindersicht auf Begebenheiten in der Kita, die ihnen vorher vielleicht nicht aufgefallen wären – und können diese bei Bedarf verändern.

Geeignet für:

3 bis 10 Kinder in einer Gruppe, mehrere Gruppen sind möglich

Zeit:

mindestens 90 Minuten

Material:

“Detektivbogen” und Stifte, Klemmbretter, Sofortbildkameras,
Smiley- und Symbolkärtchen (hier als Download-PDF zum Ausdrucken)

Ziel:

Die Kinder gehen in den Räumlichkeiten und Außenbereichen der Kita auf Erkundungstour und markieren Dinge oder Orte, die ihnen (nicht) gefallen mit den beigefügten Smileys und Symbolen oder schreiben bzw. malen ihre Ideen und Wünsche auf ein Blatt. Auf diese Weise findet das Team heraus, welche “Ecken” besonders beliebt sind und wie die Kita noch kindgerechter gestaltet werden könnte.

Ablauf:
  1. Erläutern Sie den Kindern das Ziel und den Anlass der Erkundungstour.
  2. Stellen Sie den Ablauf vor.
  3. Erklären Sie, was anschließend mit den Ergebnissen passiert und wann und in welcher Form die Kinder eine Rückmeldung bekommen.
  4. Lassen Sie die Kinder allein oder in Begleitung durch die Kita und die Außenbereiche gehen.
  5. Die Kinder legen an den betreffenden Stellen Smileys und Symbolkarten aus oder fotografieren die diese mit der Digitalkamera und notieren oder malen mit Ihrer Unterstützung etwas auf den Detektivbogen.
  6. Anschließend oder in einem weiteren Treffen können Sie die Ergebnisse gemeinsam mit den Kindern und im Team begutachten. Welche Orte sind beliebt oder auch nicht – und warum? Was könnte das Team oder die Kita-Gemeinschaft an “unschönen” Stellen verändern?
Tipp:

Je nach Alter der Teilnehmenden kann diese Methode sehr spielerisch gestaltet werden. Hierfür stattet das Team die Kinder mit Detektivausweisen, Lupen oder “Detektivkoffer” (die die Kärtchen enthalten) aus. Die Kinder pirschen sich auf leisen Sohlen an die “Tatorte“ in der Kita heran und legen ihre Kärtchen “heimlich” ab.

Ideen für Kärtchen:

Die Smileys und Symbolkärtchen können einzeln oder auch in Kombination abgelegt werden, z. B. lachender Smiley + Sandspielzeug => hier kann man gut spielen; trauriger Smiley + Ball => hier kann man nicht gut Ball spielen.

Smileys:
Fröhlich (finde ich gut), traurig (nicht gut), “neutral” (weiß nicht)

Symbole:
Ball (Ballspiele), Springseil (Bewegungsspiele), Glühbirne (hier habe ich eine Idee), Fragezeichen (warum ist das so?), Stift (malen, basteln), Mond und Sterne (ausruhen, schlafen), Bauklötze (bauen), Lupe (entdecken, forschen), Würfel (Gesellschaftspiele), Besteck (Essen), Buch (lesen, Sprache), Computer (digitale Medien), Trommel (Musik), Hände (Treffpunkt), Rollstuhl (barrierefrei), Superheldin (Rollenspiel, verkleiden), Hand mit Wasserhahn (Hygiene), Hand mit Pflanze (BNE), Rechenrahmen (Mathematik), Hand (Stopp, Vorsicht), Zelt (verstecken spielen)

Dies ist nur eine Auswahl an möglichen Karten, die Sie für die Methode nutzen können. Diese und weitere Symbole finden Sie bei den Piktogrammen in Microsoft Office.

Methode in Anlehnung an Quelle: „Kinder an kommunalen Entscheidungen beteiligen. Praxisbeispiele und Arbeitsmaterialien“, eine Broschüre des Programms Demokratie in Kinderhand der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung (DKJS), 2019.

Hier geht es zum Download-PDF des Tools „Kita-Detektive“.

Hier geht es zum Download-PDF der Smiley- und Symbolkärtchen.

Transparenz und Teilhabe der Eltern

Transparenz in der Zusammenarbeit mit Eltern ist wichtig für ein partnerschaftliches und vertrauensvolles Miteinander. Indem das Team das Alltagsgeschehen in der Kita für alle Familien erlebbar macht, schafft es wichtige Voraussetzungen für elterliche Mitwirkung und Mitgestaltung. Dazu gehört auch eine bedürfnisorientierte Ansprache der Familien auf verschiedenen Kommunikationswegen und bei Bedarf in verschiedenen Sprachen. Turnusmäßige Elternbefragungen können dem Team wertvolle Impulse für die strukturelle und inhaltliche Weiterentwicklung geben.

Die Leitungskraft sorgt dafür, dass das Einrichtungskonzept, die pädagogische Arbeit, die Ergebnisse möglicher Elternbefragungen sowie die Alltagsprojekte der Kinder transparent gemacht werden. Dies kann beispielsweise durch ein Elternhandbuch oder Aushänge in der Kita geschehen. Auch digitale Medien eignen sich für die Weitergabe von Informationen und Wissenswertem aus dem Kita-Alltag. Überdies erhalten Eltern die Möglichkeit, den Kita-Alltag ihres Kindes im Rahmen verschiedener Formate, beispielsweise bei Ausflügen oder Hospitationen, besser kennen zu lernen. Das gesamte Team zeigt sich jederzeit offen für Fragen oder Anregungen seitens der Eltern.

Methode: Elternbefragung bei der Kita-Qualitätsentwicklung

Die Beteiligung der Eltern ist eine wichtige Ressource zur Weiterentwicklung von Kita-Qualität. Eine geeignete Methode, um deren Anregungen, Sichtweisen und Bedürfnisse systematisch zu erfassen, ist die Elternbefragung. Aus dieser können die Kita-Leitung und das Team in einem nächsten Schritt wichtige Impulse und Veränderungen ableiten. Führt eine Kita in regelmäßigen Abständen Elternbefragungen durch, etwa einmal im Jahr, werden entsprechende Entwicklungsschritte und Erfolge sichtbar.

Material:

Papier, PC, Drucker

Zeit:

Die Durchführung dauert ca. 20 Minuten pro befragter Person; die Vor- und Nachbereitungszeit im Team sind abhängig von Umfang und Frageform.

Ziel:

Die Eltern geben ihr Feedback zu verschiedenen Arbeitsbereichen der Kita. Dieses Feedback wird interpretiert und in die zukünftige Arbeit einbezogen

Durchführung

Zunächst wird gemeinsam geklärt, was das Team von den Eltern wissen möchte. Darauf basierend erarbeiten Verantwortliche einen Fragebogen. Das Erstellen von Fragebögen ist an gewisse Regeln gebunden, wie beispielsweise die Übersichtlichkeit des Aufbaus, verständliche Antwortvorgaben, usw. Auch die Frageform sollte bedacht werden: Beinhaltet der Bogen offene Fragen, die keine Antwortvorgaben enthalten oder geschlossene Fragen, die ein Spektrum an Antworten vorgeben? Beides hat Vor- und Nachteile. So sind offene Fragen aufwendiger auszuwerten, wohingegen geschlossene Fragen alle potenziellen Antwortmöglichkeiten beinhalten sollten. Diese sind in ihrer Gesamtheit wiederum schwer zu erfassen.

Die Befragung selbst kann beispielsweise im Rahmen eines Elternabends oder innerhalb eines bestimmten Zeitraums (z. B. eine Woche) erfolgen. Wenn die Befragten ihre Antwortbögen in eine “Zettelbox” werfen, statt diese persönlich abzugeben, kann die Anonymität besser gewahrt werden. Diese ist wichtig für ein ehrliches Feedback.

Auswertung:

Die Auswertung der Antworten erfolgt im Team, idealerweise in Kleingruppen. Diese setzen sich mit verschiedenen Fragestellungen auseinander: Welche Ergebnisse haben uns am meisten überrascht? Was haben wir so erwartet? Welche Ursachen liegen vermutlich hinter bestimmten Ergebnissen? Abschließend diskutiert das Team alle Auswertungsergebnisse, um gemeinsam darüber zu entscheiden, wie die Eltern über die Befragungsergebnisse informiert werden und vor allem, welche Verbesserungen und Maßnahmen sich daraus für die Kita ableiten lassen.

Tipp:

Die kostenfrei erhältliche Software Grafstat eignet sich gut, um eine Elternbefragung vorzubereiten. Ein passendes Handbuch enthält umfangreiche Hinweise zur Fragebogenerstellung und -auswertung.

Quelle: „Methodensammlung: Lernorte der Demokratie im Vor- und Grundschulalter“ der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung (DKJS), Regionalstelle Sachsen, Dresden, 2009, Kapitel 7.1, Seite 77 des PDFs.

Hier geht es zum Download-PDF des Tools „Elternbefragung bei der Kita-Qualitätsentwicklung“.

Beobachtung und Dokumentation

Wenn die pädagogischen Fachkräfte wissen, wie die Kinder ihre Umwelt wahrnehmen und dieser begegnen, können sie sich besser an deren Interessen und Stärken orientieren. So lassen sich aus der Beobachtung Projekte ableiten, die den Kindern besonders viel Freude machen – und damit letztendlich auch den Eltern und Fachkräften. Darüber hinaus trägt eine gezielte Beobachtung dazu bei, wichtige Entwicklungsschritte der Jüngsten zu dokumentieren und individuelle Besonderheiten oder auch Förderbedarfe, etwa motorischer Art, zu identifizieren.
Für die Beobachtung und Dokumentation kann das Team vorgedruckte Bögen des Trägers oder anderer professioneller Anbieter nutzen oder eigene Vorlagen entwickeln, die speziell auf die Einrichtung zugeschnitten sind. Ebenso wichtig wie die Dokumentation ist eine regelmäßige Auswertung, welche je nach Bedarf in Zweiergesprächen oder auch in größeren Gruppen im Team stattfindet. Nur im gemeinsamen Austausch über das Beobachtete können die Fachkräfte die Themen der Kinder sowie ihr eigenes Handeln angemessen reflektieren und weiterentwickeln.

Die Kita-Leitung bezieht die Mitarbeitenden idealerweise schon bei der Planung der Beobachtungs- und Auswertungsmaßnahmen ein, räumt ihnen regelmäßig Zeit und Raum für diese Aufgaben ein und macht wiederholt deutlich, wie wichtig eine regelmäßige Dokumentation für die Entwicklung der Kinder und der pädagogischen Arbeit ist. Damit kann sie erreichen, dass das Team in der Beobachtung und Dokumentation weitaus mehr sieht, als nur zusätzlichen und vielleicht „lästigen“ Arbeits- und Zeitaufwand: denn Mehrwert für alle Beteiligten.

Impulsfragen: Beobachten und Dokumentieren

Folgende Impulsfragen für die Kita-Leitung und das Team helfen dabei, die Prozesse bei der Beobachtung und Dokumentation zu reflektieren und weiterzuentwickeln.

Individuell beobachten und dokumentieren

  • Wie dokumentieren Sie die Entwicklung des Kindes?
  • Haben Sie festgelegt, wie oft jedes Kind systematisch beobachtet wird?
  • Haben Sie in Ihrem Team ein festes Zeitfenster, in dem Sie sich über die Eindrücke austauschen?
  • Wie halten Sie die Ergebnisse fest?
  • Wo sehen Sie besonderen Handlungs- und Entwicklungsbedarf?

Eltern einbeziehen 

  • Auf welche Art und Weise beteiligen Sie die Eltern an der Beobachtung und Dokumentation?
  • Wie verständigen Sie sich mit ihnen über die Entwicklungsschritte des Kindes?
  • Inwiefern fließen Rückmeldungen der Eltern ein?
  • Wo sehen Sie besonderen Handlungs- und Entwicklungsbedarf?

Mit Kindern austauschen 

  • Beziehen Sie auch die Kinder in die Beobachtung und Dokumentation mit ein?
  • Wie sprechen Sie mit ihnen über Dokumentiertes?
  • Sind die Bildungsbücher und Portfolios für Kinder zugänglich?  Wenn ja, was beobachten Sie beim Umgang der Kinder mit den Mappen?
  • Wo sehen Sie besonderen Handlungs- und Entwicklungsbedarf?

Quelle: „Gemeinsam erfolgreich. Eltern als Bildungs- und Erziehungspartner“. Deutsche Kinder- und Jugendstiftung (DKJS) in Zusammenarbeit mit den Programmen Lichtpunkte und Mittel.Punkt.  

Hier geht es zum Download-PDF der Impulsfragen zum Thema „Beobachten und Dokumentieren“.

Zum Weiterlesen

Quellen

Die Texte des Kapitels „Qualität stärken“ basieren hauptsächlich auf dem Wissen der im Impressum unter „Text und Redaktion Toolbox“ genannten Personen. Speziell für dieses Kapitel wurde ergänzend folgende zusätzliche Quelle als Inspiration herangezogen:

Die Quellen der einzelnen Tools sind in den jeweiligen gelben Textblöcken genannt und verlinkt.